Hörspielregie

“Madame de Sade”

Autor: Yukio Mishima (Pseudonym für: Hiraoke Kimitake) (Japan 1925)
Genre: Hörspiel
Produktion: NDR 1997
Regie: Götz Naleppa
Musik: Domenico Scarlatti
Länge: 84”
Ton und Technik: Günter Beckmann, Christine Ocker

Mitwirkende:
Jutta Lampe, Susanne Uhlen, Gisela Uhlen, Monica Bleibtreu, Imogen Kogge, Sabine Falkenberg

Inhalt:
“Madame de Sade” spielt in den Vorrevolutionsjahren 1772 bis 1790, eine Zeit, in der der berühmt-berüchtigte Marquis de Sade fast durchgehend eingekerkert war. In einem erbitterten Kampf stehen sich unversöhnlich Vertreterinnen von Moral und gesellschaftlicher Ordnung – verkörpert durch de Sades Schwiegermutter Madame de Montreuil – und die Frauen gegenüber, die de Sade verteidigen als Revolutionär der puren Lust. Immer wieder siegt die Konvention – bis das Donnergrollen der Französischen Revolution dem Kampf der adligen Frauen ein überraschendes Ende macht.
In dem dramaturgisch effektvoll konstruierten Theaterstück aus dem Jahr 1965, das die klassische Einheit von Ort, Zeit und Handlung strikt einhält, tritt der Marquis selbst nicht auf, ist aber in den Reden der fünf Frauen ständig gegenwärtig. Stärker noch als in dem Roman “Der Seemann, der die See verriet” (als Hörspiel unter dem Titel “Yokohama”) hat sich Mishima hier die japanische Tradition der unbedingten Stärke zu eigen gemacht. Das Ideal der Reinheit, das jedes menschliche Maß sprengt, macht selbst de Sade zur ‘Unperson’, als er krank und zerrüttet der Hilfe bedarf.
‘Als Autor faszinierte mich das Rätsel’, schreibt Mishima in seinem Nachwort, ‘weshalb die Marquise de Sade, die ihrem Mann während seiner langen Kerkerhaft eine so bedingungslose Treue gehalten hatte, ihn in dem Moment verließ, als er endlich frei war. Dieses Rätsel bildete den Ausgangspunkt für mein Stück, das den Versuch einer logischen Erklärung darstellt. Eine äußerst unerklärliche, aber zugleich zutiefst wahre Seite der menschlichen Natur musste darin verborgen liegen, und, alles unter diesen Gesichtspunkt stellend, wollte ich de Sade betrachten.’


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